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Die Marktgemeinde Purgstall an der Erlauf setzt sich seit längerem bereits aktiv für die Erhaltung und Revitalisierung des lokalen Naturerbes ein. Der Einbezug der Bevölkerung sowie Bewusstseinsbildung und Wissensvermittlung rund um NATURA 2000 und damit im Zusammenhang stehende Naturschutzmaßnamen sind dabei wichtige Aufgaben.
Das wertvollste Naturgut im Gemeindegebiet stellt zweifelsohne die Erlaufschlucht dar, die mit, teils sehr hochwertigen Begleitflächen wesentlicher Teil des NATURA 2000 Gebietes „Niederösterreichische Alpenvorlandflüsse“ ist. Teilflächen der Erlaufschlucht sind bereits als Naturdenkmal ausgewiesen. Die Marktgemeinde Purgstall hat dafür ein durch Naturschutzabteilung und EU gefördertes LEADER - Projekt initiiert. Das Projekt umfasst drei Schwerpunkte:
„Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums: Hier investiert Europa in die ländlichen Gebiete“
Ca. 2 bis 2,5 km nördlich der Ortsmitte Purgstalls befindet sich am „Heidegrund“ nahe Unternberg, rechtsseitig an der Erlaufschlucht ein Rest einer ehemaligen Hutweidelandschaft. Die früher artenreiche und regional bedeutende Halbtrockenrasenfläche ist stark verwaldet und nur mehr teilweise als Rest der ehemals strukturreichen Offenlandschaft erkennbar. Heute nimmt Gehölzjungwuchs mit wenigen, älteren Föhren den Hauptteil der Fläche ein. Die artenreichen Halbtrockenrasen sind nur mehr in kleinen Lichtungen erkennbar. Ziel ist die Wiederherstellung und nachhaltige Sicherung der naturschutzfachlichen Qualität des Hutweiderests. Sowohl die Qualität als im NATURA 2000 geschützter Lebensraumtyp „Halbtrockenrasen“ als auch als Habitat für Tierarten, strukturreicher Offenlandschaften ist hierbei zu berücksichtigen. Für die Revitalisierung des verwaldeten Halbtrockenrasens am Heidegrund und Wiederherstellung eines offenen Lebensraummosaiks ist im ersten Schritt die Reduzierung des Gehölzbestandes unter Erhaltung einiger Gehölzgruppen und Solitärbäume vorgesehen. Leitbild für die Revitalisierung sind mit kleinen Gehölzgruppen und Solitärbäumen durchsetzte, parklandschaftsartige Hutweiden die eine hohe Biodiversität aufweisen und die es heute kaum mehr gibt. Der Grundeigentümer hat sich im Zuge einer Beratung dankenswerterweise zur Wiederherstellung dieses sehr wichtigen Purgstaller Lebensraumes bereit erklärt und wird auch die Arbeiten, begleitet von naturschutzfachlicher Beratung, ohne Hilfe der Gemeinde zu beanspruchen, selbst durchführen. Mit regionalen Naturschutzexperten wurden die Maßnahmen abgestimmt und um die formal nötige Rodungsbewilligung bereits bei der BH – Scheibbs angesucht. Mit den ersten Umsetzungen, also den wichtigsten Schlägerungsmaßnahmen wird bereits diesen Winter begonnen. Nach einer Teilrodung des Gehölzbestandes (hauptsächlich sind die zu rodenden Gehölze jünger als 30 Jahre) ist die nachhaltige Wiederinnutzungnahme und Sicherung der dauerhaften Pflege im Rahmen der ÖPUL Maßnahme WF sichergestellt. Ältere Kiefern, entwicklungsfähige Jungbäume (hpts. Eichen) und kleinere Gehölzgruppen sollen als Strukturen erhalten bleiben und ein Mosaik an Solitärbäumen mit Trockenwiesenvegetation entstehen. Es werden ca. 8.000 m2, also ein relativ kleiner Anteil der Grundfläche gerodet, daher kann es zu keiner Beeinträchtigung der Waldnutzung angrenzender Grundstücke kommen und auch die Schluchtenwälder der Erlauf bleiben natürlich durch einen breiten Gehölzsaum geschützt. Auch der Baumheckensaum zu den angrenzenden Ackerflächen wird als wichtige Struktur mit Altbäumen erhalten bleiben.
Der Schlosspark in Purgstall an der Erlauf liegt unmittelbar im Ortsbereich am rechtsseitigen Ufer der Erlaufschlucht und hat eine Größe von ca. 3 Hektar. Der Park wurde im Stil eines englischen Landschaftsgartens mit Wiesenflächen, Gehölzgruppen, sowie einer Sammlung seltener Solitärgehölze angelegt. Wie bei den meisten historischen Gartenanlagen Österreichs war auch im Schlosspark in Purgstall die Pflege in den Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg vernachlässigt worden, sodass ein großer Teil des Parks dicht zugewachsen und verwaldet war. Teilflächen wurden in den letzten Jahren wieder in Pflege gebracht und entsprechen heute wieder einer historischen Gartenanlage. Neben seiner Bedeutung als Gartendenkmal ist der Park auch aus Sicht des Naturschutzes wichtig. Der Park ist Teil des NATURA 2000 Gebietes „Niederösterreichische Alpenvorlandflüsse“. Daher hat insbesondere der Altbaumbestand im Park wegen der hier vorkommenden holzbewohnenden Käferarten große naturschutzfachliche Bedeutung. Derzeit gibt es Pläne den allgemein nicht öffentlich zugänglichen Park für die Freizeitnutzung mit einem Jugendcamp und Gastronomie zu nutzen. Ein wesentlicher Bestandteil der Maßnahmen rund um den Schlosspark in Purgstall ist die Erhaltung und Sicherung des Altbaumbestands durch naturverträgliche Baumpflegemaßnahmen. Arbeitsschulungen und Anleitung zur naturverträglichen und zeitgemäßen Baumpflege durch einen renommierten Baumpfleger sind dabei Schwerpunkte um auch nach Projektende die nötigen Pflegemaßnahmen durch Personal vor Ort weiterführen zu können. Für die nachhaltige Freizeitnutzung des Parks werden Ziele und Rahmenbedingungen zur Naturverträglichkeit formuliert. Schon im Frühjahr, voraussichtlich im März werden die Baumpflegemaßnahmen und Arbeitsschulungen begonnen, bis zum Sommer 2009 sollen Konzept und Maßnahmen im Wesentlichen abgeschlossen sein.
16.02.2009
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